12 Mrz 2010
Istanbul – Tour zur Blauen Moschee
Das Wetter ist derzeit in Istanbul nicht gerade zum Vorzeigen. Es ist nass, kalt und windig. Ein normaler Istanbuler verlässt bei diesem Wetter auch nicht freiwillig seine Wohnung, nur im Notfall, wenn der Kühlschrank leer ist. Ausgenommen natürlich die Leute, die zur Arbeit müssen. Der Rest genießt die Zeit zu Hause bei cay (Tee), kahve (Kaffee) und TV. Ich vermute, dass an solchen Tagen die Einschaltquoten sämtlicher Unterhaltungssendungen nach oben schnellen. Da wir keinen Fernseher haben, bin ich nicht immer auf dem Laufenden, was gerade im türkischen Fernsehen alles gezeigt wird. Ich weiß aber, dass immer eine dizi (Serie) läuft, die kein Türke versäumen darf. Dies sind keine amerikanischen Serien, die hier das Rennen machen, es sind türkische Dramen, aufregend, Herz zerreißend, spannend, dramatisch eben. Und dann gibt es wie in Deutschland, Kochsendungen und Talkshows ohne Ende. Diese Sendungen schaue ich mir dann beim Friseur an, so ganz nebenbei, wenn irgendwelche angeblich todsicher funktionierenden „Noch schöner machenden Packungen“ in meinem Haar seine Wirkung suchen. Mein Friseur hat da immer was auf Lager, damit ich lange bei ihm sitzen kann, natürlich nur, um die Talkshow fertig anzusehen! Meistens bin ich ihm dafür auch noch dankbar, denn eine türkische Talkshow kann ebenso dramatisch sein wie die dizi. Da kann es dann schon mal kurz zur Sache gehen, wenn z.B. Paare vor der Kamera sich streiten und um alles in der Welt keine Einigung in Sicht ist. Ich würde solch eine Sendung dann jedem deutschen Tatort vorziehen, rein der Spannung wegen natürlich.
Aber wir wollten ja dem schlechten Wetter trotzen und Istanbul bei Regen erkunden. Mit der richtigen Ausrüstung, Regenjacke, Mütze, Schirm und Gummistiefel, können uns auch die schwarzen, dicken Wolken nicht aufhalten. Gummistiefel sind an solchen Tagen unerlässlich. Hauptkleidungsstück würde ich sagen, denn man läuft oft von Pfütze zu Riesenpfütze und steht dabei schnell knöcheltief im Wasser.
Wir besuchen heute die berühmte Sultan Ahmet Moschee sowie die nahegelegene Yerebatan Zisterne von Istanbul.
Mit dem Dolmus (Sammeltaxi) fahren wir vom Stadtteil Erenköy bis zur Endstation in Kadiköy. Wir könnten nun direkt mit dem Fährschiff nach Eminönü auf der europäischen Seite fahren, ich habe mich aber dazu entschlossen, mit unseren Besuchern nach Karaköy zu fahren um dann mit ihnen zu Fuß über die Galatabrücke zu gehen. Ein kleiner Umweg, dafür einzigartig.
Eine Fahrt mit dem Feribot (Fährschiff) über den Bosporus, das blaue Ruhefeld zwischen Asien und Europa, ist immer ein Erlebnis. Man lässt sich treiben, fängt an zu träumen, hier ruht die Stadt. Kein Chaos, nur Fischerbote und Möven, die uns von Ufer zu Ufer begleiten, der Blick ruht auf der orientalischen Silhouette meisterhafter Architektur.
Nach ca. 20 Minuten Fahrtzeit legen wir in Karaköy an und sind sofort wieder mitten im städtischen bunten Treiben von Istanbul. Schon beim Verlassen des Schiffes werden einem die leckersten Speisen lautstark angeboten, es fällt einem fast schwer, sich zurückzuhalten.
Wir gehen aber zielstrebig Richtung Galatabrücke. Diese Brücke überspannt das Goldene Horn und verbindet damit Alt-Istanbul mit Neu-Istanbul. Sie ist in zwei Geschosse eingeteilt und man hat das Gefühl, sie liegt flach auf dem Wasser. Im unteren Bereich, auf dem wir als erstes bewundernd flanieren, befinden sich überwiegend kleine Restaurants und Cafes. Das Speiseangebot wird hauptsächlich von gegrilltem Fisch und feinsten Meeresfrüchten angeführt. Die Lokale sind alle sehr einladend und freundlich ausgestattet. Im Cafe nebenan genießt man nach dem Essen den türkischen Kaffee und wenn man viel Zeit hat, ist die Wasserpfeife dazu die richtige Entspannung mit Blick auf den Bosporus. Da die Brücke eine bewegliche Klappbrücke ist, die sich in der Mitte öffnen lässt, damit große Schiffe ins Goldene Horn einfahren können, müssen wir an dieser Stelle auf den oberen Brückenteil ausweichen. Wenn im unteren Teil noch recht geruhsam geschlendert werden kann, bietet sich oben wieder das wilde Zusammenspiel zwischen Autos, Bussen, Straßenbahn und Fußgängern. Und der Grund, dass wir uns in diesen Tumult einfügen wollen, sind die unzählbaren Fischer, die mit einer Eselsgeduld am Brückenrand stehen und ihre Ruten in die Tiefe halten, in der Hoffnung auf einen mehr oder weniger großen Fang.
Man sollte es nicht glauben, aber hier stehen mir scheint nur Profis. Jeder von ihnen hat eine solch umfangreiche Ausstattung an Angelutensilien und Ködern dabei, er könnte damit den ganzen Bosporus leer angeln. Und hat er doch ein Zubehör vergessen, es gibt viele Angler, die das Selbige garantiert gleichzeitig zum Verkauf anbieten. Für die Betrachtung dieses ungewöhnlichen Schauspiels, muss man sich etwas Zeit nehmen. Für mich ist der Gang über die Galatabrücke der Besuch einer lebendigen Bildergalerie.
In Alt-Istanbul endlich angekommen, gehen wir zielstrebig Richtung Straßenbahnhaltestelle. Wegen des schlechten Wetters verzichten wir auf den Fußmarsch und nehmen dafür den schnellen und bequemen Weg mit der Straßenbahn. Von der Haltestelle sind es nur noch ca. 5 Gehminuten bis zu unserem Ziel, die Sultan Ahmet Moschee, vielen auch bekannt als „Die blaue Moschee“.
Es ist ein einzigartiger Prachtbau. Schon beim Anblick auf das Gesamtgebäude staunt man fast ergriffen über das beeindruckende dreistöckige Kuppelgebilde, eingerahmt von 6 Minaretten.
Über den Vorhof, der von einem Arkadenumlauf umgeben ist, betreten wir den prachtvollen Innenraum. Dieser fast quadratische Gebetsraum wird von vier monumentalen Säulen getragen und überwölbt von einer gigantischen, mächtigen Kuppel.
Herausragend sind die über 21.000 Iznik-Kacheln, deren überwiegend blauen Farbtöne den Innenraum schmücken und dadurch zum Namensgeber der Moschee wurden. Die Fayancen sind gemustert mit Lilien, Tulpen, Rosen, Nelken und Zypressen. Eine Augenweide für den Betrachter. Durch über 200 Fenster, zum Teil Buntglasfenster, erhält der Innenraum ein imposantes Lichtspiel. Der Boden ist bedeckt mit einem roten Teppich, der dem Gebetsraum eine heimelige Wärme gibt. Einzelne Sitzbänke laden dazu ein, in Beschaulichkeit und Stille dieses Meisterwerk entspannt auf sich wirken zu lassen.
Der Bauherr dieser Moschee war Sultan Ahmet I. (1589-1617), der schon mit 14 Jahren den Thron bestieg. Er wollte sich mit diesem Bau ein repräsentatives Denkmal setzen, das die gegenüberliegende Hagia Sophia an Pracht übertreffen sollte. Architekt war Mehmet Aga, gebaut wurde von 1609-1616. Zum gesamten Komplex der Moschee, gehörten einst eine Medrese ebenso wie eine Karawanserei und das Mausoleum, leider ist davon nur noch das Mausoleum zu besichtigen. Hier ruhen Sultan Ahmet I., seine Gemahlin Kösem sowie seine drei Söhne, Osman II., Murat IV. und Prinz Beyazit.
Bevor wir zu Yerebatan Zisterne, die in einer Seitenstraße zwischen der Blauen Moschee und der Hagia Sophia liegt, weiter gehen, ist eine Zwischenmahlzeit in einem kleinen türkischen Lokanta mit heimischer Küche ein absolutes Muss.








