23 Mrz 2010
Istanbul – Chora Kirche
Nach einem kurzen Deutschland-Besuch bin ich wieder gut in Istanbul gelandet. Schon bei der Ankunft wurde ich mit Sonnenschein und Frühlingsluft empfangen. Eben ganz nach meinen Wünschen. Nun hoffe ich, dass sich auch hier die kalte Jahreszeit endgültig verabschiedet hat.
Wenn man auf die Straße geht, hat man das Gefühl, dass es wohl allen so geht. Zumindest hatte ich dieses Gefühl am Wochenende. Wohin man ging, waren Menschen über Menschen unterwegs. Ich bin ja schon einiges gewohnt, aber bei diesen Menschenmassen dachte ich, alle Istanbuler haben ihre Häuser verlassen und bewegen sich in der gleichen Spur wie ich. Die Cafes waren überfüllt, einen Platz zu ergattern war reine Glückssache. Die Strandpromenade war voll mit Familien. Während die Älteren genüsslich im Gras saßen und ihr erstes Picknick veranstalteten, tobten die Kinder mit dem Ball und ihren Vätern um die Wette. Draußen auf dem Meer sah man schon sämtliche Segelschulen mit ihren Schülern und ihren kleinen Jollen. Wie im Gänsemarsch segelten sie schön dem Leitboot hinterher.
So liebe ich Istanbul. Sonne, blauer Himmel, nicht zu heiß und immer etwas los.
Aber es wird nicht mehr lange dauern, dann wird sich die Hitze in den Betonmauern der Häuser und den Straßen festbeißen und der Aufenthalt in der Stadt wird zu einer Herausforderung an den menschlichen Körper. Dann steht die Hitze flimmernd vor dem Auge und treibt den Schweiß aus allen Poren. So viel Wasser kann man gar nicht kaufen, welches der Körper wie ein Schwamm aufsaugen möchte. Und die Abgase der Autos, vor allem während der Rash hour, stülpen dann einen gelblichen Film über die Stadt. Spätestens dann beginnt die türkische Völkerwanderung. Viele Istanbuler fliehen zum Sommerbeginn ans Meer in ihr zweites Zuhause. Die Küsten des Schwarzen Meeres, des Marmara Meeres oder der Ägäis werden dann für ein paar Monate ihr Zufluchtsort sein. Wer selbst keine Zweitwohnung dort hat, wird mit Sicherheit von Verwandten oder Freunden dazu eingeladen, sich für ein paar Wochen bei ihnen zu erholen.
Ich werde aber nicht warten, bis die große Hitze kommt, sondern werde mich schon bald von Istanbul verabschieden und den Frühling und Sommer an der Ägäis, der türkischen Olivenriviera verbringen. Meine Freundin hat heute schon angerufen, wann ich denn endlich komme um den Frühling zu riechen.
Vorher muss ich aber noch ein paar Besichtigungstouren mit meiner Tochter durch Istanbul machen. Sie schreibt derzeit an einer Jahresarbeit über die Stadt der zwei Herzen.
So waren wir gestern in einer wunderschönen ehemals byzantinischen Kirche, der Chorakirche, oder wie sie im türkischen genannt wird, Kariye Camii, im Stadtteil Edirnekapi. Kenner nennen sie ein Juwel an spätbyzantinischer Mosaikkunst, und das mit Recht. Ich war total begeistert über die beeindruckend restaurierten Kirchenmosaike.
Die Chorakirche, die heute ein Museum ist, war ursprünglich Bestandteil eines Klosters. Die heutige Form der Kirche geht zurück auf eine Stiftung des byzantinischen Kanzlers Theodoros Metochites. Er ließ in den Jahren 1315 bis 1321 die im Verfall begriffene Kirche von Grund auf restaurieren und mit umfangreichen Bilderzyklen ausschmücken. Die guterhaltenen Mosaikarbeiten zeigen in beeindruckender Weise das künstlerische Potenzial der Byzan
Es ist eine kleine Kirche, dafür aber umso schöner. Die 1948 vom »Byzantine Institute of America« wieder freigelegten Mosaike zeigen drei Erzählungen: das Leben der Mutter von Jesus, Maria, einen Bilderzyklus zur Jugendzeit Jesu sowie die Heilsgeschichte Jesu. Im Zentralraum der Kirche finden sich außerdem ein großes Christusporträt, ein Marienbild und eine Darstellung des Todes der Maria. Die gesamten Mosaiken folgen einer strengen ikonographischen Ordnung.
In der südlichen Seitenkapelle beherrschen qualitätsvolle Fresken das Bilderprogramm. Hier sind es die Themen der Auferstehung sowie das Jüngste Gericht.
Metochites war ein großer Humanist, Gelehrter und Staatsmann unter Kaiser Andronikos II. Unter Andronikos III. wurde er 1328 in den Kerker geworfen, gefoltert und verbannt, sein Besitz wurde beschlagnahmt und er wurde all seiner Ämter enthoben. Als ihm die Rückkehr 1330 nach Konstantinopel wieder gestattet wurde, zog er sich ins Chora Kloster zurück, wurde Mönch und nahm den Namen Theoleptos an. Seine Grabstätte befindet sich ebenfalls in der Kirche.




Danke sehr an den Autor.
Gruss Nanna
Sat Anlage
November 28th, 2010 at 20:52permalink
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Canli Tv izle
Dezember 25th, 2010 at 03:02permalink