28 Mrz 2010

Istanbul – Markttag

Posted by maria

Gestern war Markttag in unserem Wohnviertel. Dies ist immer ein besonderer Tag im Alltag der Hausfrau, die dann auch das überwiegende Publikum auf den Marktstraßen stellt und somit Herrscherin über das Geschehen wird. Sie hat an diesem Tag die Macht in ihren Händen, den männlichen Verkäufern, und das ist die Überzahl, aufzuzeigen, wer hier und heute das Sagen hat.

Da so ein Wochenmarkt schon morgens früh seine Pforten öffnet, ist Frau natürlich auch früh auf den Beinen um nach Möglichkeit die beste Ware vor den Spätaufstehern zu ergattern. So ist es völlig normal, dass solch ein Einkaufstag der pflichtbewussten Hausfrau jeder Mitbewohner im Haus zu hören bekommt. Normal geht es in unserem Appartementhaus sehr ruhig einher. Man hört selten laute Gespräche oder sonstige Geräusche von den lieben Nachbarn. Außer Frau Nachbarin hat ihre Freundinnen zum Tee eingeladen. Dann kann es schon sein, dass für 2 Stunden deren reichhaltige Unterhaltung auch in meiner Wohnstube Einzug hält. Aber das ist nicht unbedingt als störend einzustufen, denn bis der Tee-Kreis sich das nächste Mal in dieser Wohnung wieder trifft, gehen doch ein paar Wochen ins Land, und in diesen herrscht dann wahrlich Ruhe.

Bis auf den einen, sich jede Woche wiederholenden Markttag. Unser Haus ist es gewohnt, morgens nicht vor 9.30 Uhr zu erwachen. Es herrscht Grabesstille. Jeder, der vor dieser Zeit schon das Haus verlassen muss, schleicht sich durch das Gebäude, so dass ja keiner gestört wird. An diesem besagten einen Tag aber in der Woche, steht ab morgens 7 Uhr schon das gesamte Haus, bis auf meine Wohnung, Kopf. Egal in welches Zimmer ich mich flüchte, von oben, von der Seite und auch von unten ertönt ein regelrechter Mischmasch an Geklapper, Geklirr, Gepolter und Tumult, dazwischen immer wieder die hohe Stimme der nervösen Hausfrauen, die zum schnelleren Aufbruch anheizen.

Ich gehöre nicht zu diesen Früh-Einkäufern. Ich gehe immer erst gegen Mittag, manchmal wird es auch Nachmittag, auf den Markt. So auch gestern. Meine Tochter wollte mich begleiten, hat sie doch nicht oft Gelegenheit dazu. So drückte ich ihr an der Haustür meinen Einkaufstrolli in die Hand und wollte gleich losgehen. Mademoiselle aber wehrte sich vehement, diesen Trolli zu nehmen.

„Mit so einem Ding laufe ich nicht auf die Straße.“

„Aber hier hat jeder so eine rollende Einkaufstasche, das ist bei uns normal“, sagte ich.

Auf eine große Diskussion wollte ich mich nicht einlassen, nahm den Trolli und wir zogen los. Der Markt fängt fast vor unserer Haustüre an und schlängelt sich durch viele Seitenstraßen und Gassen. Normalerweise ist mein Prinzip „Schnell rein – schnell raus“. Aber heute nahm ich mir doch mehr Zeit und einen größeren Geldbeutel mit, Mademoiselle zuliebe. Und es stellte sich heraus, dass ich damit nicht falsch lag.

Schon beim zweiten Stand blieb sie stehen und staunte, dass es ausgerechnet hier genau die Unterwäsche gab, die sie doch in Deutschland immer kaufte, allerdings wesentlich günstiger. Dies ist meist Ware, die in der Türkei produziert wird aber kleinere Fehler hat oder einfach nur aus einer Überproduktion stammt, die dann von den Händlern spottbillig aufgekauft wird. Und so standen wir, wie viele andere Frauen auch, an einem großen Wühltisch und suchten und suchten das passende Teil. Zum Schluss hatten wir acht Teile gekauft, waren schon fast eine Stunde unterwegs, haben aber erst einen Stand hinter uns gebracht.

„Das kann ja heiter werden, dachte ich mir.“

Und genauso ging es weiter. Wir wühlten uns durch die Menge, durch die Stände und erfreuten uns an dem ganz normalen Tumult. Jeder Standhändler preist lautstark seine Ware an, in der Hoffnung, dass man ihn ja nicht übersieht und bei ihm einkauft. Man wird ständig umworben – Abla (große Schwester – ist eine umgängliche Anrede) hier und Abla dort, es wird geschmeichelt und angepriesen. Bis wir endlich in der Gemüsestraße waren, war der Einkaufstrolli schon fast voll und der Geldbeutel fast leer.

Aber wir haben, trotz dem wir nicht bei den ersten Einkäufern waren, immer noch gute und leckere Sachen mit nach Hause gebracht. Und am Schluss blieb uns sogar noch Zeit, an der Ecke feinen türkischen Cay zu trinken und für den Hunger gab´s warmes Sulu Börek.

Übrigens, Mademoiselle hat den Einkaufstrolli fast durch den gesamten Markt gezogen, ohne dass sie es gemerkt hat !

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