27 Okt 2010

Perlen der Ägäis

Posted by maria

Perlen der Ägäis

Akcay und Güre

Wenn man sich in der Türkei ein Reiseziel aussucht, stößt man beim Stöbern der Prospekte sicher nicht auf Akcay oder Güre an der nördlichen Ägäis, sondern man orientiert sich an der Südtürkei mit ihren vielen Angeboten für Badeurlauber. Die nördliche Ägäis ist für den Pauschaltourismus eher eine verwaiste Gegend. Dafür für den Individualtouristen ein Häppchen der besonderen Art.

Dabei ist die nördliche Ägäis eine wahre Perle, kostbar und edel, geformt von der Natur, wild und doch gezähmt, ein Schatz für den, der sie gefunden hat.
Hier verschmelzen antike Mythen, historische Stätten und landschaftliche Reize mit orientalischer Pracht zu lebendiger Geschichte. Aristoteles, der in Assos seine Schule errichtete, prägte die Gegend genauso wie der Apostel Paulus, der angeblich in Ören eine christliche Gemeinde gegründet haben soll.

Nicht, dass der Mensch durch die Gestaltung der Bauwerke die Schönheit geschaffen hätte, nein, der Baumeister war die Natur sowie die Ururur-Großväter der heutigen Olivenbauern.

Eingebettet zwischen dem mystischen Ida-Gebirge, von dem aus schon die Götter den trojanischen Krieg dirigierten und dem Golf von Edremit liegen Akcay und Güre. Zwei Orte, deren Menschen geprägt sind vom Olivenanbau und der Fischerei. Das gesamte Hinterland nennt man nicht umsonst die Olivenriviera der Türkei. Hier wachsen die besten Früchte des Ölbaumes im ganzen Land.

Für mich ist der Frühling die schönste Jahreszeit. Die Landschaft ist mit einem satten Grün überzogen und die milden Temperaturen laden zu ausgiebigen Bergwanderungen ein. Entlang von kleinen Bächen, vorbei an hohen Wasserfällen, alte osmanische Brücken bewundernd, lässt es sich in einer fast unberührten Natur gut vom Alltag abschalten und die blühende Vegetation bewundern. Meine Freundin, die leider nicht sehr gut zu Fuß ist, wünscht sich jedes Jahr aufs Neue, dass ich ihr Zwiebeln der wilden Tulpe mitbringe. Obwohl ich an ganzen Feldern dieser wunderbaren Blume schon vorbei gelaufen bin, habe ich es noch nicht übers Herz gebracht, Zwiebeln dieser geschützten Tulpe auszugraben und in ihren heimischen Garten zu versetzen. Sie lacht immer nur, wenn ich mit leeren Händen zurück komme, hofft aber gleichzeitig auf meinen Sündenfall im nächsten Frühling.

Wenn ab Juni die Sommerhitze beginnt, sehnt man sich nicht nur nach einer frischen Meeresbrise sondern genießt vor allem die Kühle des Meeres. Jetzt ist das tägliche Freiluftbad angesagt, das man an der gesamten Küste genießen kann.
Aber nicht nur an der Küste. Für mich ist es wie eine Erholung, wenn wir in diesen Monaten zum Baden in die Berge fahren. Von Akcay aus dauert die Fahrt ca. 20 Minuten, um zu den schönsten abgelegenen kleinen Bergseen zu kommen. Hier verirrt sich kein Tourist herauf, hier kann man noch alleine inmitten wilder Natur Entspannung finden.

Akcay und Güre, so klein sie auch sind, bieten dem Sommerfrischler alle begehrten und behaglichen Annehmlichkeiten, die man als Urlauber benötigt. Für Reisende, die kein eigenes Dach über dem Kopf hier haben, gibt es viele Hotels und Pensionen, die alle bemüht sind, dem Feriengast seinen Aufenthalt so bequem und komfortabel zu machen, wie er es gewohnt ist.
Auch die Vertreter des türkischen Gaumengenusses kommen voll auf ihre Kosten. Ob große Restaurants oder kleine Lokantas, alle sind bemüht, die türkische Küche in ihrer Vielfalt anzupreisen. Der Gast ist hier immer noch der König.

An den Promenaden zu flanieren, ist nicht nur ein Muss für alle Besucher, sondern ein interessanter Zeitvertreib, vor allem für europäische Touristen. Was für den Türken selbstverständlich ist, sehen wir Europäer eher als exotisch und ungewöhnlich, vielleicht auch originell.

Man trinkt hier nicht nur seinen Tee oder Kaffee in einem der vielen Teehäuser, knabbert während des Laufens an einem gekochten oder gerösteten Maiskolben, schlotzt an seinem Eis, das durch die Hitze schon über die Finger fließt, holt sich beim Nüsseverkäufer noch schnell warme Nüsse oder Sonnenblumenkerne, der Kenner holt sich noch eisgekühlte Mandeln, lässt sich zwischendurch im Nomadenzelt nieder und genießt ein lecker gefülltes Gözleme, und der Süße kaut sein vor Zuckerwasser triefendes, in heißem Fett gebackenes Lokum, oder kauft beim „Midenen Dostu“, in deutsch – beim Freund deines Magens -, ein warmes hausgemachtes Börek mit diverser Füllung, das er von seinem Verkaufsfahrrad herunter anpreist, wer es etwas trockener liebt holt sich beim Handkarrenverkäufer ein frisches Simit mit viel Sesam, kauft zwischendurch bei den unzähligen Kleinhändlern alles was man braucht oder auch nicht, für seine Schönheit, den Nippes zu Hause, das Silber auf der Haut, die edlen Steine als Heilsbringer oder Schmuck, oder lässt sich vom Naturkundler all seine Heilkräuter erklären, die sämtliche Krankheiten heilen, nimmt sich am Vorbeigehen noch schnell ein neues Haarteil für die lichten Stellen auf dem Haupte mit, natürlich passend zum Farbton der eigenen Haarpracht, und … und … noch viel mehr.
Ich habe mir diesen Sommer einmal die Venus durch ein Spezial-Fernrohr für einen Lire gegönnt. Alles was man sich nur denken kann, ist an dieser Promenade vorhanden.
Jahrelang versuchte ich meiner Tochter auszureden, mit dem Kamel einen Spazierritt zu machen, irgendwann bin auch ich eingeknickt und sie thronte ganz oben, stolz und herrisch ob ihrem Sieg. Und sollte man nicht noch genug all der Vielfältigkeit haben, setzt man sich zum Schluss noch in die rasende, sich ständig im Kreis wirbelnde Tarantella, oder die sich überschlagende Riesenschiffschaukel. Ich behalte meine Magenfreuden lieber bei mir und ergötze mich an dem wilden Kreischen derer, die gerne ihr Essen wiederkäuen.

Und Nachts, wenn die Grillen zirpen und die Trockenheit die quakenden Frösche vertrieben hat, die Luft immer noch heiß im Raume steht, geht man nicht ins Bett sondern vergnügt sich im türkischen Nachtleben. Auch hier ist dem Angebot keine Grenze gesetzt. Ob Disko, Pilspub oder nur ein Spaziergang entlang der Küste, einen Cay in einem der vielen Teegärten oder ob romantisch, mit dem eigenen Lagerfeuer am Meer. Es findet garantiert jeder sein Betthupferl.

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2 Responses to “Perlen der Ägäis”

  1. Anschaulich dargestellt! Da muss man mal genauer recherchieren! Warte auf neue Beiträge!

     

    Julia

  2. Hallo Julia,
    recherchieren lohnt immer. Nur leider findet man über Akcay oder Güre noch recht wenig, weil unsere Gegend vom internationalen Tourismus noch nicht (Gott sei Dank) entdeckt wurde. Deshalb findet man hier noch das original türkische Leben.
    Viel Spaß beim weiterlesen.
    Werde mit Sicherheit noch manche Berichte verfassen.
    LG
    Maria

     

    maria

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